Shinola – die Werte-Company


Shinola – die Werte-Company

John Argento, Managing Director International von SHINOLA aus Detroit, war Anfang Juni bei AP&CO in Zürich, um die Kollektion zu erläutern und den Start der schweizweit ersten Retail-Zusammenarbeit der Marke zu feiern. Im Interview erklärt Argento, wofür Shinola steht und was unter dem Dach der innovativen Marke neben Uhren, Fahrrädern, Papeterie, Lederwaren und Tierspielzeug noch alles denkbar ist. 

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AP&CO: Mr. Argento, heisst es Schii-nola oder Schai-nola?

John Argento: Man kann den Namen aussprechen wie man will, wir machen da keine grosse Sache draus – gerade in Europa hören wir viele Varianten. „Schai-nola“ wäre allerdings die Weise, wie man den Namen in den USA ausspricht. Es kommt von „shine“, einem Wortteil von „shoe shine“. Viele kennen noch die Geschichte von dem frechen Soldaten, der die Stiefel seines strengen, aber nicht besonders hellen Befehlshabers mit Fäkalien statt Shinola polierte und auf den das geflügelte Wort „You don’t know shit from Shinola“ zurückgeht.

Wer hat sich den Namen ausgedacht?

Ich denke, dass Shinola eine typische Wortschöpfung des beginnenden 20. Jahrhunderts ist, der Markenname kommt aus der „Ola“-Zeit, in der auch Coca-Cola gegründet wurde. Offenbar klangen solche Worte damals cool.

Seit 2011 gibt es Shinola und damit auch die Schuhcreme wieder – wie wichtig ist diese heute noch?

Für uns sind alle Produktkategorien von Bedeutung. Die Schuhcreme gehört einfach dazu, sie ist das sichtbarste Symbol dieser Marke, die einst gross war und später fast in Vergessenheit geriet. Natürlich ist die Schuhcreme heute ein vergleichsweise einfaches und günstiges Produkt. Aber sie ist wichtig, um die Geschichte der Wiedergeburt von Shinola darzustellen. Wir haben den Anspruch, auch in anderen Bereichen Produkte zu schaffen, die für sich stehen – etwa wenn wir Fahrräder machen: Auch da arbeiten wir mit hochqualifizierten Spezialisten zusammen, die dafür sorgen, dass man unsere Velos problemlos mit denen von sehr guten anderen Herstellern vergleichen kann. Dasselbe gilt für Lederwaren und Uhren.

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Die Wiedergeburt des Handwerks ist weltweit ein wichtiges Thema – war in Detroit überhaupt noch etwas da, auf das Shinola für den Relaunch der Marke bauen konnte?

Es gibt eine Realität in Detroit, die hart ist: Die Stadt war pleite, und vielerorts sieht man die Narben des Niedergangs, es gibt viele leer stehende oder verlassene Häuser. Aber die Stadt hat ein reiches Erbe und ein grosses Potenzial. Die Menschen haben Erfahrung mit echter Arbeit und einen gewachsenen Stolz. Sie wollen zeigen, was sie können. Es gibt viel handwerkliches Geschick in diesem Talent-Pool. Die Stadt Detroit und der Staat Michigan unterstützen den Wiederaufbau. Es ist in den letzten Jahren schon viel geleistet worden, und in jüngster Zeit ziehen auch junge Leute wieder in die Stadt.

Sie hätten es einfacher haben können, indem sie ihre Uhren im Schweizer Jura zusammenschrauben lassen, statt sie selbst in Detroit zu bauen

Natürlich gab es viele Zweifler. Einige hielten es nicht für machbar oder besonders schlau, dieses Know-how selbst aufzubauen und all diesen Aufwand zu riskieren. Doch wie mit vielen Dingen ist es so: Man will etwas langfristiges aufbauen – etwas, das Bestand hat. Und darum geht es bei Shinola. Wir stellen uns grossen Herausforderungen. Unsere Philosophie lautet: Wie können wir hoch qualitative Produkte machen, und wie können wir diese in den USA herstellen? Ausserdem haben wir Talent, Arbeitskräfte und Menschen, die Erfolg wollen – das ist eine gute Basis. Wir haben natürlich auch ein Businessmodell. Denn wir sind nicht einfach nette Philanthropen, sondern wollen auch Erfolg mit Shinola haben.

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Warum soll man Uhren aus Detroit kaufen, wenn es doch sehr gute aus der Schweiz gibt?

Wir haben das oft gehört, dass wir keine Chance gegen die Schweizer haben. Lass uns sehen! Wir glauben, dass unsere Uhren den Vergleich mit sehr guten Schweizer Markenuhren bestehen und dabei sogar einen attraktiveren Preis anbieten können. Warten wir mal ab, wie die Kunden das sehen. Die Menschen haben ja heute mehrere Uhren und wir glauben, dass in einer solchen Kollektion auch Shinola einen Platz hat.

Wollen Sie ausschliesslich in den USA produzieren?

Shinola repräsentiert eine neue Bewegung von intelligentem Design, Handwerk, guter Qualität und Langlebigkeit. Die Marke soll eine Bühne für „Macher“ sein. Wir denken dabei zuerst an lokale Allianzen. Doch wir können uns auch vorstellen, dass wir anderswo Partner finden. Überall in der Welt gibt es diese Angst, dass Handwerk-Know-how verloren geht. Shinola wird mit seinen Engagements dagegen halten.

Was ist typisch an den Produkten von Shinola?

Es gibt einen starken Style-Faktor – sowie diese gute Geschichte zu Shinola. Wir sind im Grunde eine sehr moderne Marke, doch es gibt einen Aspekt von Vintage und Nostalgie, der mitschwingt. Ich würde es als „casual ruggedness“ beschreiben – raffiniert, aber nicht zu delikat.

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Mit ihrem Designethos können Sie die Marke in viele Richtungen weiterentwickeln. Gibt es bald auch Shinola-Mode?

Hmm … geben Sie uns etwas Zeit. Wir können uns vieles vorstellen und haben natürlich auch bereits Pläne für einen erweiterten „Shinola-Supply“. Wir prüfen verschiedene lokale Handwerker und Spezialisten. So sind auch unsere Sportartikel entstanden – zuerst war es ein Versuch, doch die Ideen kamen so gut an, dass sie zu einer eigenen Kategorie geworden ist. Brillen wären naheliegend. Mit der Geschichte von Detroit ist aber sogar Musik denkbar.

Die ultimative Herausforderung für eine Marke aus Detroit wäre aber gewiss, ein Auto zu bauen

Wer weiss? Tesla hat ja bewiesen, dass man aus dem Nichts zu einem bedeutenden Player werden kann. Auch Shinola hat die Kraft, neue Kategorien zu definieren.

www.shinola.com