Let’s have a good time


Let’s have a good time

Vom Advent bis ins Januarloch – die Festtage sind ein textiler Slalom: Cin Cin mit der Schwiegermutter, Silvesterparty in der Berghütte und der Katerbrunch nach dem Zersägen des Christbaums. Eine Tischbombe voller Anlässe, die es modisch astrein zu meistern gilt.

Die Festtage sind gewissermassen der jährliche Elchtest für die eigene Garderobe – hier zeigt sich, was der Kleiderschrank hergibt, beziehungsweise ob er alle Register bereit hält, um Fondue-Plausch und Gala-Dinner mit Applaus zu bewältigen. Damit der Spass bei der Sache nicht verloren geht, haben wir einige modischen Überlegungen angestellt – immer im Hinblick auf konkrete Anlässe. Das macht das Ganze einfacher und rettet in jedem Fall die Festtagslaune vor einem Stiltief.

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Veston: Alferano Made-to-Measure. Fliege: Friday is tieday. Schmuck: Adventskranz 2014.

N° 1 – DIE GLÜHWEINBAR

Stellvertretend für alle weiteren Stelldicheins zur Adventszeit, die sich hauptsächlich outdoors abspielen, nehmen wir die Glühweinbar. Während der Boden unter den Füssen gefriert, trinkt man hier gerne ein Glas mehr als unter dem Jahr – und dies zuweilen mit Menschen, die man vor dem Ersten Advent noch gar nicht kannte. Halleluja! Das Wichtigste, auch modisch betrachtet: Warm bleiben! Am besten mit soliden Winterstiefeln oder Mountain-Boots  – genau die Schuhe, bei denen man im Laden denkt: «Viel zu schwer», retten einem hier die Zehen. Dazu robuste Selvedge Jeans und eine gefütterte Winterjacke mit genug grossen Taschen, um die Lederhandschuhe darin zu verstauen, während man am Weihnachtsmarkt das Kleingeld aus der Tasche kramt.

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Uhr: Shinola. Armband: Minsai. Kugelschreiber: Kaweco. Boutonnière: Nina van Rooijen.

N° 2 – DAS WEIHNACHTSESSEN

Beim Outfit für die gepflegten Weihnachtsessen im Kreise von Familie und Freunden gilt vor allem Eins: Dem Christbaum nicht die Show stehlen und Ähnlichkeiten mit den Krippenfiguren vermeiden. Besser man wählt eine gepflegte Kombination von Stoffhose, hellem Hemd mit einem Feinstrick-Pullover oder einem Veston aus Schurwolle in natürlichen Farbtönen. Ein Outfit, das sich etwas bieder anhören mag, aber durch die Hochwertigkeit der Materialen wie Cashmere und Merino besticht. Mit klassischem Schuhwerk – beispielsweise ein Derby oder Brogue -, Filo di Scozia Socken und einem frischem getrimmten Haarschnitt kann passieren was will – sogar für das familiäre Gruppen-Selfie ist man gerüstet.

 

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Chrome Space pen: Fischer Space Pen. Armband: Neri. Schoggiherzen: Cartier.

N° 3 – DER KURZTRIP

Die Zeiten, als man die Weihnachtsferien noch hauptsächlich zu Hause oder in helvetischen Wintersportregionen verbrachte, sind definitiv passé. Heute fährt und fliegt man über den Jahreswechsel genauso so locker weg wie über Ostern – Skifahren kann man im Februar noch. In den Koffer kommt der grobgestrickte Pullover, der bei milden Temperaturen über Mittag die Fishtail-Jacke überflüssig macht (Kopenhagen), ein zweites Paar coole Stadtsneakers (Berlin) und in die Lederjacke-Innentasche die Sonnenbrille (Rom). Als Handgepäck kommt der Canvas-Rucksack mit (Barcelona) und für weitere Destinationen empfehlen wir Intersection – der globale Street-Style Videokanal der New York Times.

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Sonnenbrille: Pesko&VIU. Taschenmesser mit Lederetui: Otter Messer. Money clip: Shinola.

N° 4 – NEW YEAR’S EVE

Jetzt aber! So könnte das Motto für den einzigen Abend im Jahr lauten, an dem es von nichts zu viel sein kann – nur beim Haargel raten wir eindringlich zum Mass halten. Der samtene Blazer mit dem glänzenden Revers, Smoking-Jackets und Hosen mit Galon – das Casino Royal darf aufgefahren werden. Die Chemischen Reinigungen frohlocken. Fliege, Manschettenknöpfe und poliertes Schuhwerk werden nach Belieben dem Champagner-Cocktail beigemischt. In den 1990er Jahren brach jeweils um Mitternacht das Mobilfunknetz zusammen wegen der Menge an SMS, die verschickt wurden. Dank social media wurde dieses Risiko entschärft, dafür geht heute nichts mehr ohne gutes Bildmaterial – ein Grund mehr to dress to the nines. 

N° 5 – DER KATERBRUNCH

Und dann wurde es Januar – légèr in Daunenveste, Chambray-Hemd mit Button-Down Kragen und Filzhut gekleidet, sitzt man im Lieblingscafé und erfreut sich an der Kahlheit, die nach dem Abräumen der Weihnachtsdekorationen überall herrscht. Man sinniert über die gefassten und verworfenen Neujahrsvorsätze, verordnete sich Detox und ein rigoroses Fitnessprogramm – alles während man im wasserabweisenden Trenchcoat aus gewachstem Twill durch den Schneematsch nach Hause läuft, um endlich in den Magazinen zu blättern und die Bücher zu lesen, die man sich eigentlich für die Weihnachtsferien aufgespart hatte. Rückblickend hatte man wohl einfach eine zu gute Zeit!

 

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Feinripp-Unterleibchen: Mey. Hemd: Alferano. Papiertasche: Burrito Brothers Zürich.

Frohe Festtage und bonne année!