Manche Männer denken, dass Kleidung unwichtig sei – andere sind vom exakten Gegenteil überzeugt. Diesbezüglich gibt es in Europa grosse Unterschiede. Die regional abweichende Auffassung über Stilfragen macht bei Reisen zwischen den grossen Metropolen dieses Kontinents einen Gutteil des Reizes aus. Nachfolgend der Versuch einer Typisierung der männlichen Modekompetenz in Zürich, Mailand, London und Paris.

ZÜRI-GSCHNÄTZLETS

Der Zürcher hat – gerade unter Einheimischen — zu Unrecht einen etwas steifen Ruf. Es wird vom Banker-Style geschimpft und über die Herren vom Paradeplatz gelästert, die alle im grauen Anzug mit dunklem Schlips herumlaufen. Wer solches von sich gibt, verrät aber, schon länger nicht mehr gut hingeschaut zu haben. Denn eine neue, modebewusstere Generation von Geschäftsherren in Zürich pflegt einen frischeren Zugang zur Klassik. Sie trägt auch nicht mehr ausschliesslich Anzüge, sondern immer mehr Kombinationen, die das Beste zweier Welten vereinen: Die Klasse und Eleganz der englischen Schule und die Vitalität und Passform der Italiener. Das hat seine Logik, denn Zürich liegt ziemlich genau in der Mitte der 1850 Kilometer, die London und Rom trennen.

Grauer Veston mit hellblauem Fensterkaro von Alferano, Fr. 698.-; Hemd von Alferano Fr. 159.-; nachtblaue Chinos von AP&CO, Fr. 279.-; Loafers von Henderson, Fr. 429.-; Pullover von John Smedley, je Fr. 198.-; Portemonnaie  von Shinola, Fr. 329.- und Aktentasche von F. Hammann, Fr. 898.-.

GUSTO MILANESE

Mailänder Männer gelten als die am besten angezogenen Europas. „Am liebsten würde man sich den Mailänder natürlich als Quersumme aus Adriano Celentano (die frühen Jahre), Paolo Maldini und Luchino Visconti vorstellen, alles Söhne Milanos“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ einst in einer Hommage an die Milanesi. Sie wissen sich einfach anzuziehen: Gekonnt, ein bisschen exaltiert, aber doch lässig. Man muss vermuten, dass es an der Allgegenwart von Schönheit liegt, und natürlich an der in Mailand doch recht bedeutsamen Modebranche. Diese führt zu einer erhöhten „modischen Achtsamkeit, mit der der Mailänder vor die Tür und durchs Leben geht.“

Stahlblauer Veston mit Karo von Alferano, Fr. 698.-; Hemd mit Haifischkragen von Alferano, Fr. 198.-; sandfarbene Chinos von Incotex, Fr. 279.-; Buckle-Brogues von Church’s, Fr. 735.-; Anzug-Hülle-Reisetasche-Set von Bennett Winch, Fr. 849.-.

STREETS OF LONDON

Das Beste, was man sich punkto Stilkunde gönnen kann, ist „Anzug und Gentleman“, ein kleines Büchlein über das Wesen der klassischen Garderobe, geschrieben von Sir Hardy Amies (1909 – 2003), der sein ganzes Leben in London verbracht hat. Amies war der Schneider der britischen Königin Elizabeth II von 1951 bis 1989, darüber hinaus ein gefragter Herrenschneider an der Savile Row und eine Autorität in Sachen britischen Understatements. Sir Hardy Amies ist der geborene Gentleman und hat feinen Humor, etwa wenn er sagt: „Ein Herr sollte seine Kleidung mit Geist aussuchen, sie mit Sorgfalt anziehen – und dann alles vergessen.“ – Wer einen klassischen dunklen Anzug noch nicht so richtig schätzt, der wird es tun, wenn er Amies gelesen hat.

Nadelstreifen-Anzug von Alferano, Fr. 698.-; Hemd von Alferano, Fr. 159.-; Clubkrawatte von Alferano, Fr. 129.-; Schnürschuhe von Church’s, Fr. 689.-; Trenchcoat von Aspesi, Fr. 629.-; Poloshirt von John Smedley, Fr. 198.-; Brieftasche von Ganzo, Fr.  249.; Travelbag von Shinola, Fr. 1145.-.

BIENVENUE À PARIS

Im Business sind die Franzosen ein wenig ideenlos – ausser dem gekonnten Spiel mit Blautönen (Allez les Bleus!) hat die Grande Nation nicht viel zur klassischen Garderobe zu sagen. Dafür sind sie grosse Meister in der Freizeitgestaltung, und dies auch modisch. Seit den späten 1960er Jahren steht Frankreich schon für diesen lässigen Mix, der heute als „Smart Casual“ Karriere macht – man denke an Serge Gainsbourg, bis heute König der Pariser Coolness. Kern des Franzosen-Styles ist das bewährte Streifenshirt, auch „Marinière“ genannt. Man trägt es zu hochgerollten schmalen Jeans, edlen Sneakers und einem blauen Blazer. Gauloise, Beret und Baguette sind optionale Accessoires.

Ungefütterter Stretch-Veston von Harris Wharf, Fr. 498.-; Streifenshirts von DoppiaA, je Fr. 159.-; weisse Jeans von Incotex, Fr. 229.-; Blue Jeans von Incotex, Fr. 329.-; Sneakers von Zespà, Fr. 289.-.

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